HR-Story (deutsch)
Die Harlem Ramblers Story
«Nomen est omen» bei den 1955 gegründeten Harlem Ramblers. New Yorks Stadtteil Harlem gilt als Inbegriff des schwarzen Jazz, was jedoch die damaligen «weissen» Dixielander nicht gross störte. Ein Rambler bedeutet im Englischen ein Wanderer, ein Umhervagabundierer. Blickt man auf den stürmischen, ja fast anarchischen Werdegang dieser Band, gerät man ins Staunen. Transfers von oder zu Konkurrenzorchestern waren nichts Aussergewöhnliches sondern eher Normalität. So weist der Stammbaum, früher Inbegriff von unstetem Rambling, sage und schreibe 34 Musiker an elf verschiedenen Instrumenten auf! Von der Gründungsformation, die ihre Existenz dem Kornettisten Michel Robert, dem Klarinettisten Heinz Fritz und dem Banjospieler Vali Meyer verdankt, ist heute keiner mehr dabei. 1958 wurde Heinz Fritz durch Tabis Bachmann, Klarinette ersetzt und Gerry Ceccaroni, Schlagzeug, taucht erstmals im Stammbaum auf. Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass Thedy Schütz, Posaune und Bassist John Treichler 1963 dem Ruf der Band folgten. Tabis Bachmann avancierte später zum Bandleader und gab in der Folge dem Geschick der Ramblers manch eigenwillige Wendung.
1969 kam es zur grossen Krise, die Band brach auseinander. Die Hinterbliebenen Tabis Bachmann, Thedy Schütz und John Treichler formierten sich neu und verstärkten sich mit Günter Sellenath Trompete und Chris Mitchell am Banjo (beide von den Piccadilly Six) und erneut mit Gerry Ceccaroni am Schlagzeug. Nun war endlich Ruhe eingekehrt, es gab 20 Jahre keine Wechsel. Man besann sich auf seine Stärken und entdeckte, dank dem Engländer Chris Mitchell, die gesanglichen Fähigkeiten der Band. Seither unterscheidet die Harlem Ramblers ein besonderes Merkmal von den übrigen Zürcher Jazzorchestern – sie singen. Drei der sechs Musiker bezeichnen sich kühn als Vokalisten. Nicht etwa, dass sie bloss englisches Jazzliedergut wiederkäuten. Sie bringen auch Dialektlieder zu Gehör, wie etwa das vom Froueli, das z’Merit ga will. Zwei Mundart-Adaptionen von Franz Hohler sind dabei und einige Texte stammen von Gerry Ceccaroni. So reihen sich die Ramblers dank der Sangesbrüder unter die Stimmungsmacher, die auch mit munteren Ansagen, Gags und Parodien gut umzugehen wissen.
1965 erscheint die erste LP «The Harlem Ramblers» und insgesamt gehen weitere 18 Tonträger auf das Konto der Band, eine davon mit dem hervorragenden englischen Trompeter Humphrey Lyttelton. Konzerte und Auftritte gab es mit unzähligen Stars der Jazzszene wie Red Nichols, Wild Bill Davidson, Chris Barber, Acker Bilk, Benny Waters, Mighty Flea Connors, Albert Nicholas, Maxime Saury, Hazy Osterwald, Roy Williams, John Crocker, Rod Mason, Beryl Bryden, Pat Halcox, Enrico Tomasso, John Defferary und vielen anderen mehr.
Doch das Schicksal meinte es nicht immer gut mit den Harlem Ramblers. 1989 starb Bassist John Treichler und wurde durch Hansjörg Schaltenbrand ersetzt und im Sommer 1994 Tabis Bachmann. Eine Auflösung der Band, deren Management nun von Gerry Ceccaroni besorgt wird, stand nie zur Diskussion. Der neue Mann an der Klarinette hiess Fritz Steiner, der auch sämtliche Saxophone beherrschte. 1999 verliesst Hansjörg Schaltenbrand auf eigenen Wunsch die Band und für ihn stand nun Pavel Molnar am Bass.
2002 war ein katastophales Jahr. Fritz Steiner und Pavel Molnar verliessen die Band nach schwerer Krankheit für immer. Der neue Klarinettist und Saxophonist war Hazy Frischknecht und am Bass stiess Hans Schläpfer zur Band. Trompeter Günter Sellenath hat sich eine Gesichtslähmung eingefangen und Thedy Schütz hatte eine Bypass-Operation am Herzen. Die Band kam nicht zur Ruhe, denn 2005 trugsie Hazy Frischknecht ebenfalls zu Grabe. Für ihn spielte nun Wastl Berger, Klarinette und diverse Saxophone. Hans Schläpfer, Bass, hat die Band 2010 auf eigenen Wunsch verlassen und ist im August 2024 verstorben. Seit 15 Jahre spielt nun Jimmy Wettach bis heute den Bass. Im Juli 2011 hat Gerry Ceccaroni, Schlagzeug, nach 42 Jahren aus persönlichen Gründen seinen Rücktritt erklärt, auch er ist im März 2025 verstorben. Jetzt war Geni Weber der neuen Schlagzeuger.
Chris Mitchell, Banjo, 48 Jahre in der Band, ist nach langer Krankheit im Mai 2017 ruhig eingeschlafen. An seiner Stelle spielt nun Edy Kieser das Banjo. Wastl Berger hat 2022 nach 17 Jahren bei den Harlem Ramblers seinen Rücktritt erklärt. Für ihn ist nun Jürg Morgenthaler an der Klarinette und am Altsaxophon zu hören. Aus Altersgründen hat Geni Weber die Band 2023 auf eigenen Wunsch verlassen. Wir sind sehr glücklich, dass nun Hans Brunner am Schlagzeug ist und für nötigen Drive sorgt. Thedy Schütz, Posaune, hat nach über 61 Jahren bei den Harlem Ramblers ohne Unterbruch Ende 2024 aus Altersgründen seinen Rücktritt erklärt. Wir danken ihm für die Treue zur Band. Für ihn spielt nun seit 2025 der Bandleader der Piccadilly Six John Service die Posaune und singt wie Caruso. Trompeter und Bandleader der Harlem Ramblers Günter Sellenath ist der letzte Aktive, der seit der Neugründung 1969 noch spielt!